Archiv für November 2009

Grassoße

Wenig Zeit, wenig Lust, keine frischen Zutaten im Haus, daher heute Fertignudelsoße. Immer noch besser als Ketchup.

Diese hier aus dem Hause Miraculi hatte ich noch nie. Aber ich muss sagen, sie riecht beim Erhitzen so, als hätten die da zusätzlich zu den Kräutern noch ein paar lustige Gramm Marihuana mit reingerührt. Huppsala. Die ganze Küche duftet und die Nachbarn denken sich jetzt wahrscheinlich ihren Teil.

Cool. Echt muraculixig.

aufopfernd

Ich finde alte Menschen nett. Auch wenn sie schwerhörig sind. Dann sind sie umso bemühter, die Dinge zu verstehen.

Und höflich sind sie auch, jedenfalls die meisten.

Eben habe ich so ein Modell wieder mal aus der Nähe betrachten können. Ein knuffiger alter Herr, akkurat gekleidet mit hellem Trench aus den Achtzigern, dunkler Busfahrerhose mit frontaler Bügelfalte, ordentlichem Hemd, Krawatte, Altherrenkappe.

Brachte seine im Rollstuhl sitzende Frau zum Arzt, die anscheinend neuerdings Marcumar einnehmen muss. Das mit Marcumar ist so eine Sache, da darf man keine Einnahme verpennen und auch nicht zuviel nehmen und muss, zumindest anfangs, jede Woche zur Blutabnahme.

Ganz schön kompliziert, das. Vor allem für den netten Herrn, der sich rührend um alles kümmerte. Montags und Mittwoches jeweils eine halbe Tablette, an den anderen Tage keine. Nächste Woche wieder Blutabnahme. Die freundliche und geduldige Sprechstundenhilfe hat es ihm mindestens fünf Mal erklärt und er hat es jedes Mal anders wiedergegeben. Im Wartezimmer wurde bereits milde gelächelt.

Auch der Marcumarausweis nützte da nicht viel, er kannte das Zeichen für „nichts nehmen“ nicht und konnte mit den minifuzzikleinen Feldern, in denen die Dosierung steht,  wohl auch nichts anfangen.

Die Sprechstundenhilfe hat es ihm dann nochmal groß aufmalt, auf ein DIN-A-3-Blatt. Das hats dann gebracht.

Beim Zusammenpacken seiner Siebensachen erklärte er uns Wartenden dann noch mit wissendem, aber etwas traurigem Blick, dass seine Frau einen Schlaganfall hatte, seither im Rollstuhl sitzt und nicht mehr sprechen und sich versorgen könne Das mache jetzt alles er. Und jetzt auch noch dieses Marcudingsda. Da sei alles etwas viel.

Ach je. Und wir mosern wegen ein bisschen Rückenschmerzen oder Schnupfen.

Heute gelernt:

Es gibt sie noch – die Eltern, die ihr Kind Michelle nennen.

Michelle Romy, um genau zu sein.

wollenkönnen

Schlimm ist: Das Gefühl, in einem kleinen, alten, verbeulten, hässlichen, aber irgendwie liebgewonnenen Auto zu sitzen. Mit einem durchaus wachen, geschwindigkeitszugeneigten Geist. und nicht all die tollen Sachen wie überholen, auf der Autobahn mal Gas geben, schnittig auf der linken Spur fahren können, die die großen Autos mühelos schaffen.

Kenne ich. Hatte ich jahrelang. Allein die Optik des Wagens hat schon keine Höchstleistungen versprochen. Das Auto an sich war sogar recht flott, 75 PS, ideal für die Stadt, hat an der Ampel jeden AudiBMWMerser versägt. Beim Einparken Gold wert. Aber eben nicht überall. Hatte immer was von „gewollt, aber nicht gekonnt“.

Und auch eben die Optik. Die machts ja. Da kann man noch so schön das Abblendlicht anschalten, wenn man zügig die Autobahn oder auch enge, zugeparkte Straßen befahren möchte. Man wird einfach nicht ernstgenommen, geschweige denn vorbeigelassen. Manchmal sogar belächelt.

[Schön ist: Die Zeiten sind vorbei. Glücklicherweise. Jetzt bin ich auch mit einer durchaus ernstzunehmenden Haifischschnauze und genügend Airbags ausgestattet. Ich hatte nur eben so ein Flashback, als  ich mich forsch, frech und glücklich durch die Innenstadt drängelte.]

Royal

Ich finde ja Königshäuser toll.

Wobei Spanien, Norwegen, Belgien oder Schweden eher nebensächlich sind.

Das one and only Königshaus ist immer noch Großbritannien.

Jetzt auch zum Gucken.

PIN-Amnesie

Manches weiss ich nicht. Wäre zwar wichtig, aber ich kanns nicht sagen. Fragt mich zum Beispiel meine Geheimzahl (abgesehen davon, dass ich die natürlich nicht preisgeben würde) und ich könnte sie nicht nennen. Oder wichtige Telefonnummern, die ich jeden Tag wähle. Oder Passwörter für so Dingens hier.

Weiss ich nicht auf Anhieb.

Weiss ich nur genau dann, wenn ich sie eintippern soll. Nur dann, wenn ich die Tastatur oder die Bankomattippfläche vor mir sehe. Dann wissen meine Finger auf magische Weise, was sie zu tun haben.

Toll, oder?

[Gestern abend bin ich aber bei der Digitalweckerbedienung zwecks Weckzeiteinstellung tatsächlich gescheitert. Hab ich zu lange nicht mehr gemacht, das.]

Девушки!

Девушки! Вы слишком грамотно пишете, чтобы общаться с парнями в интернете? Криветизатор Вам поможет — пишите в верхнем окне и забирайте перевод внизу!

Клавиатура с дополнительными кнопками для звука, видео и интернет. Буквы выжжены. USB-подключение!

Solches fremdartige Sprachgut wurde vorhin filmreif von einem Moskau-Inkasso-ähnlichen, russischsprachigen Mitbürger in ein Handy geschrien. Auf dem größten Platz der Stadt. In für alle hörbarer Lautstärke.

Ich hab dabei Currywurst gegessen und der Darbietung gelauscht. War gut.

 

Hm.

Muss man sich Sorgen machen, wenn die Diplom-Psychologin aus der benachbarten Praxis mittags taumelig auf der Straße unterwegs ist, sich mehrfach unkoordiniert im Kreise dreht und dann abrupt wieder kehrtmacht und zurück ins Haus geht?

nicht nur sauber sondern rein

Also ein Gutes hats ja. Das ganze mediale Geraffel um die Schweinegrippe. Ich nenns jetzt mal nicht Hysterie, aber fein finde ich, dass sich die Leute endlich mal Gedanken um ihre Händehygiene machen.

Der Arzt wäscht sie sich nach jedem Patienten, der Apotheker hat das Händedesinfektionsmittel immer im Hintergrund (und greift nach jedem Kunden danach) und selbst in der Zahnarztpraxis gibts mittlerweile eine Zapfstelle dafür. Die Drogerien stellen keine Weihnachtsdeko nach vorne sondern Sagrotan. Und keiner guckt komisch, wenn sich die Menschen öffentlich zu einem angemessenen Reinheitsgrad ihrer Pfoten bekennen.

Ich würd ma sagen, dass dadurch auch solche schäbigen Dinge wie Noro oder Rota oder anderer viralerbakterieller Winterkrimskrams diesmal ins Hintertreffen geraten.

Gut so.

verguckt

Heute im Drogriemarkt. Ein älterer Herr wendet sich an eine Mitarbeiterin der Fotoabteilung:

Hörnsema, junge Frau, ich hab hier meine Fotos abgeholt und jetzt guckich da rein und sehe hier, auf dem einen Bild, das bin ja gar nicht ich. Da sind zwei Menschen drauf, die kenne ich gar nicht. Muss ich das Bild jetzt bezahlen?

Öh, also, wenn die Bilder verwackelt sind oder das Labor schlecht gearbeitet hat, dann nehmen wir die zurück. Sonst nicht.

Aber das kann ich mir nicht erklären, die sehen aber so anders aus.

Sehen denn alle Bilder anders aus oder nur das eine?

Ich hab noch nicht alle durch, auf jeden Fall das eine.

Vielleicht sind das gar nicht Ihre?

Doooooooooooooch, da stehts doch, mein Name. Hat meine Tocher extra leserlich draufgeschrieben.

Sonst guckense doch nochmal alle durch und melden sich dann nochmal. Haben Sie denn Ihren Beleg dabei?

Jaaaaaaaaaaa, natürlich. (Kramt ihn raus und zeigt ihn ihr.)

Aber das sind nicht Ihre Bilder, guckense mal, die Nummer ist eine ganz andere. Kein Wunder, dass Sie die Menschen nicht kennen…

Ach. Isnichwahr. Aber da steht doch mein Name.

Tja, dieser Name scheint wohl nicht so selten zu sein, Herr Meier. Ich helf Ihnen mal nach Ihrer Tüte suchen.

Ach, das ist aber nett von Ihnen, gibt ja doch noch Bedienung hier.

 

Nächste Seite »


Archiv

 

November 2009
M D M D F S S
« Okt   Dez »
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
30  

Gerade da:

site statistics

Blog Stats

  • 97,055 Mal im Unterholz gestöbert