Mir ist eine Sache richtig, richtig peinlich. Und zwar, in einem Geschäft oder sonstwo per Durchsge irgendwo hinzitiert zu werden. Zum Beispiel passiert das, wenn Leute beim Möbelschweden falsch geparkt haben, dann kommt so etwas wie „Der Fahrer des Wagens…. möge bitte zur Information kommen“. Nee, danke, muss ich nicht haben.
Weil: Hatte ich schonmal. Nämlich vor ein paar Jahren, als die Sollmans im Urlaub waren. An einem Urlaubsort, wo der große, schwarze Sollmanhund nicht mitkonnte. Und deswegen hatte ich das Los, 14 Tage lang auf den großen, schwarzen Sollmanhund aufzupassen. Weil ich den ja damals angeschleppt hatte.
Sollmans wohnen auf dem Dorf (naja, es ist eine Kleinstadt) und dort haben sie einen großen Garten und den Wald direkt am Grundstück. Toll für einen großen Hund, da kann er sich austoben und entwickelt wenig bis keine Phobien.
Ich hingegen wohnte damals mitten in der Stadt. Im Studentenviertel, direkt an einem belebten Platz. Extra hatte auch ich mir ein paar Tage Urlaub genommen, um den großen schwarzen Sollmanhund bei Laune zu halten. Der sollte ja während meiner jobbedingten Abwesenheit nicht bellend die Nachbarn verärgern. Auch das wäre mir im übrigen sehr peinlich gewesen.
Wir hatten eine tolle Zeit, der Hund und ich, und machten viel Schabernack. Zwischendurch bildete ich ihn sogar als Dienstmagd aus, um Mutter Sollman eine Freude zu machen (er hatte jedoch eher Sinn für Gruftimaniküre):

Aber natürlich muss man mit so einem Hund ja auch mal raus. Also jeden Tag in den Wald.
Irgendwann jedoch wollte ich unbedingt noch in die Stadt, um eine CD zu erwerben. Was also tun? Hund zuhause lassen? Nein. Mitnehmen. Gut. Die paar Meter in die Innenstadt gingen ohne Probleme. Brav trottete der Sollmanhund an der Leine neben mir her. Auch in der Fußgängerzone betrug er sich meisterlich. Cool und ohne die Hunde der Penner eines Blickes zu würdigen, schritt er an ihnen vorbei. Ich war stolz auf ihn.
Wir betraten Karstadt und um in die CD-Abteilung zu gelangen, muss man erstmal zum Treppenhaus. Wir gingen die ersten Meter. Die Leine spannte sich und der Hund zeige ersten Widerstand, indem er seine Vorderpfoten bremsend auf den glatten Belag stellte. Er wollte nicht. Aber ich wollte. Ich zog ihn also weiter. Er ließ sich mehr schleifen als dass er gehen wollte und nach ein paar Metern, als wir schon fast das Treppenhaus erreicht hatten, beschloss ich, dass die CD heute zumindest bei Karstadt wohl nicht mehr erworben wird und trat, zum Wohle des sensiblen Sollmanhundes, den Rückweg an. Mehr schlecht als recht, denn er sperrte sich vehement. Und tragen wollte ich den 35-Kilo-Brocken nicht. Also schob ich ihn unauffällig unter den Wühltischen gen Ausgang.
Okay. Das war also nichts. Ab zum nächsten Händler. Diesmal Saturn. Diesmal etwas abgelegener. Und diesmal bin ich auch so clever und binde ihn kurz draußen an. Ist ja ein friedlicher Geselle. Und in fünf Minuten bin ich ohnehin wieder draußen. Gesagt – getan. Ein schönes, ruhiges Eckchen wurde auserkoren, die Leine professionell festgemacht und der Hundekopf zum Abschied aufmunternd getätschelt.
Ich sprinte rein und beeile mich. Erreiche die Abteilung. Suche die CD. Finde die CD. Renne zur Kasse. Stelle mich in die Schlange. Mist, das bedeutet ein paar Extraminuten. Ich atme tief durch. Als ich gerade dran bin, ertönte es aus den Lautsprechern: „Der Besitzer des großen schwarzen Hundes möge sich bitte umgehend am Osteingang bei seinem Tier einfinden“. Ich erstarre zur Salzsäule, murmele etwas im Stile von „Ähhhh- Ichmussweg“ und renne ohne zu bezahlen aus der Abteilung.
Ich erreiche den Ausgang und höre es schon: Ein chefmäßiges Bellkonzert. Ausgerichtet vom Sollmanhund. Dazu etliche Passanten, die sehr vorwurfsvoll gucken. Jetzt möchte ich gerne zaubern können oder am liebsten zusammen mit dem sensiblen Hund im Boden versinken. Geht aber nicht. Also richte ich mich auf, schnappe mir die Leine und ziehe schwitzend unter morden wollenden Blicken von dannen.
[Der Hund war nicht traumatisiert. Er durfte sich danach im Wald erholen und hat Rescue Remedy bekommen. Ich hingegen schrecke nun bei jeder Durchsage im Kaufhaus zusammen, weil ich denke, sie gilt mir.]
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