Heute nacht habe ich irgendwann von Schneeketten geträumt. Dabei fiel mir eine Schneeketten-Servicegeschichte aus dem vorletzten Winter ein:
Es begab sich aber zu der Zeit, da ein Gebot vom Schneekaiser ausging, dass alle Welt zum Skifahren aufbrechen sollte. So auch wir. Und da unser Unterholzmobil nicht wirklich für eine Fahrt in die Alpen taugt, durften wir dafür netterweise das große und sichere Auto der Altvorderen benutzen.
Einen Tag vor Aufbruch klickten wir dann nochmal den Wetterbericht für die Urlaubsregion an und erfuhren, dass die Straße in den Skiort nur mit Schneeketten befahrbar sei. Also Herr, lass Kette vom Himmel fallen.
(Es fiel natürlich nichts.)
Da ich schon Urlaub hatte, bin ich dann eben losgezogen, um einer Schneekette habhaft zu werden. Im Gepäck hatte ich einen Zettel, auf dem das Automodell und die Reifenmaße verzeichnet waren. Auf zum nächsten KFZ-Service-Händler, im Herzen der Männerroute gelegen, an der in sinnvoller Reihenfolge Tankstellen, Baumärkte, KFZ-Läden, McDoof, Erotikbutieken und sogar ein Puff liegen.
Da stehe ich nun in einer Filiale des großen AhTehUh und wende mich vertrauensvoll an einen kaugummikauenden Prollo-Verkäufer dort.
Der reißt mir den Zettel aus der Hand, konsultiert seinen Rechner, schaut dort kurz rein, wirft mir einen abwertenden Blick über seine 3,99-Schlecker-Brille zu und lässt mich ihm zu den Schneeketten folgen. Ich muss aber drauf achten, die Mindestabstand zur Verkäuferhoheit einzuhalten. Der da beträgt: Zwei Meter.
Dann grapscht er einen Satz Ketten aus dem ganzen Berg, drückt ihn mir in die Hand, murmelt, dass das die passenden seien und stratzt schon wieder zurück zu Kasse. Ich werfe einen Blick drauf, sehe, dass dort ein großer Buchstabe (G) verzeichnet ist und in klein dahinter die passenden Reifenmaße aufgedruckt sind. Irgendwas von 205/55 16 steht drauf. Ich denke, das passt zwar nicht ganz exakt, wird wohl aber schon richtig sein, und gehe ebenfalls zur Kasse. Zuvor passiere ich ein etwa mannshohes Schild, auf dem steht, dass Schneeketten vom Umtausch ausgeschlossen seien. Klaro, es kann ja sein, dass ich sie gar nicht brauche und dann nach einer Woche schön wieder zurückbringen könnte, originalverpackt…Alles klar. Ich zahle und fahre nach Hause.
Dort angekommen, werden die neuerworbenen Ketten gleich mal vom Unterholzbewohnermann inspiziert, der schaut einmal drauf und sagt prompt, dass das die Falschen sind. Passen ja auch nicht exakt. Ich schlage mir vorn Kopp, so doof wie ich war.
Wir googlen und sehen, dass es bei AhTehUh auch für die Reifengröße exakt passende Ketten gibt. Buchstabe B wärs gewesen. Sicherheitshalber rufen wir auch nochmal den Kettenhersteller in Südtirol an, der uns versichert, dass nur Größe B für diese Reifen geht. Bitte keine anderen Ketten aufziehen. Da könnte das Auto Schaden nehmen.
Wir also zurück zu AhTehUh. Gemeinsam. Ziel ist es, Größe G gegen Größe B einzutauschen. Mittel zum Zweck: Ich, die versehentlich, so als Frau, die falschen Ketten gegriffen hat. (Oder, was wahrscheinlicher war, dass jemand die Datenbank falsch bestückt hat.)
Dort angekommen haben wir die Lage erklärt und aufgrund des Beleges konnten wir nachweisen, dass der Kauf der Ketten in Größe G noch nicht länger als 25 Minuten her war und wir daher unmöglich die Ketten im Schnee hätten ausprobieren können. Und wir wollten sie ja nicht zurückgeben, sondern nur gegen das richtige Paar, das im übrigen auch vorrätig war, eintauschen.
Fazit: Eine halbe Stunde Diskussion, viel Bockigkeit seitens der Schlecker-Billigbrillenfront, kein Chef da, kein Umtausch. Kein Eisehen, dass andere Ketten laut Hersteller besser passen. Nö, das steht hier so im Computer drin. Die passen. KEIN Umtausch. K.E.I.N. Umtausch. Engelszungen, Teufelsdohungen, alles null und nichtig.
Also, AhTehUh ist seither ein rotes Tuch und der TÜV eine nette Truppe, die verleihen nämlich Schneeketten, und zwar die richtigen. Hätten wir das mal vorher gewusst.
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