- Die meisten Autos mit dem Kennzeichen der Region der Sollmans fahren wirklich wie ihr Ruf. Nämlich unter aller Kanone.
- In der Postfiliale auf dem Dorf kann man auch Kunstlederhandtaschen und Polyesterklamotten kaufen. Ob das so ein erfolgreiches Geschäftsmodell ist, sei dahingestellt.
- Warum wird man dort von allen angeglotzt, als käme man vom Mars?
- Wenn auf einer Straße in der Provinz 30 km/h erlaubt sind, fährt der ambitionierte Autofahrer gern auch mal 20 km/h. Zur Sicherheit.
- Wenn die Vermieter aus dem Haus sind, dann tanzen die Mieter auf dem Tisch.
Archiv für Juli 2008
Peinlich ist es, in dem Ort, in dem man 20 Jahre lang gewohnt hat, nach der Post zu fragen.
Die Sollmankinder sind zwar alle drei schon groß, aber sie sind vorbildliche Kinder. Immer lieb, nie frech, nie Revoluzzer.
Und weil sie ihren derzeit urlaubenden Eltern keinen Wunsch abschlagen, war ich heute dran, im Sollmanhaus nach dem rechten zu sehen, die Blumen zu gießen und die Nachbarn davon abzuhalten, mit dem Schrotgewehr auf mich zu schießen.
Man muss wissen: Sollmans wohnen in einem Häuschen in einem Dörfchen unweit der Stadt, dort, wo die Welt noch in Ordnung ist und sich immer die weißen, gestärkten Gardinen bewegen, wenn ein fremdes Auto durch die Straße fährt. Sehr aufmerksame Dorfbewohner.
Ich fahre also nach der Arbeit bei Gluthitze dorthin, parke den Wagen und sehe als erstes den dicken baumarktsüchtigen Nachbarn, der sein Grundstück Guantanamo-mäßig eingezäunt hat. Schnell weg, denke ich, bloß kein Gespräch, ich tue einfach so, als hätte ich es furchtbar eilig.
Ich rufe einen flüchtigen Gruß übern Zaun, hoffe, dass er mich erkannt hat (und nicht das Schrotgewehr zückt), stürze ins Haus, gieße die Blumen, bemächtige mich der tollen Kamera von Mutter Sollman und überlege kurz, ob ich die mit den besten Bio-Gourmet-Delikatessen gefüllte Speisekammer plündere, entscheide mich aber dagegen, weil die Sollmankinder ja lieb sind.
Zurück zum Auto, vorbei am Guantanamomann. Noch ein paar Blumen auf dem Hof gießen. Scheisse, und da hat er mich. Kommt barbrüstig und -bäuchig auf mich zu, seine dicke Fleischwampe glänzt in der Sonne, und drückt mir ein Gespräch auf. Also fragt mich nach Herzenslust aus. Und da die Sollmankinder ja…ach, lassen wir das. Ich antworte bereitwillig auf die im Maschinengewehr gestellten Fragen. Da muss zuvor eine lange Dürreperiode der Informationslosigkeit stattgefunden haben, so wie er mich mit Fragen und hochwertigen Informationen aus seiner Familie bombardiert:
Was macht denn Filius Sollman eins? Was macht die Frau von dem? Und die Kinder? Und was arbeiten die? Ach, und wo wohnen die? Und Filius Sollman zwei? Die Frau von dem? Und die Kinder? Und was arbeiten die? Und Du? Immer noch die alte Karre, was? Schön. Und geheiratet haste, wa? Und jetzt kommen bestimmt bald Kinder, ne? Jaja, so isses. Naja, aber unsen Pascal is ja immer noch Single. Hat jetzt aber ein eigenes Unternehmen gegründet, holla, der verdient vielleicht ne Kohle. Und unsere jüngste ist jetzt auch schon auf der Universität. Studiert Sozialpädagogik und prommeviert wahrscheinlich bald…Und unser Omma liegt ja seit Jahren ganz schwer, hat schon überall Geschwüre vom Liegen…
Ja, danke, ich habe genug. Genuhug! Rufe ihm ein paar Abschiedsfloskeln hin, springe in den Wagen, atme dreimal tief durch und fahre vom Hof.
Wie halten unsere Eltern das nur aus?
Gespräch unter Krankenschwestern (ist schon Jahre her):
Weisst Du, als was ich nie wiedergeboren werden will?
Nee?
Als Beckenspüle.
Ingeborch weiss watt datt bedeuten tut.
Es ist Sommer, es scheint die Sonne, es heizt sich auf, es folgt das obligatorische Gewitter. Und weil wir ja alle die Meldungen vom vergangenen Wochenende noch vor Augen haben, wie in Dortmund die Sintflut ausbrach, wollen wir mal vorsichtig sein bei Gewitter.
Und schicken daher gestern eine Pop-Up-Meldung über alle Bildschirme, bitte die Fenster zu schließen wegen des Unwetters, das da naht.
Wir sind weiterhin vorbildlich und kündigen die monatlichen Serversicherungen an. Damit nachher keiner sagen kann, dass unser IT-System vielleicht scheiße ist, weil zwei Stunden vielleicht die eine oder andere Datenquelle nicht erreichbar war.
Und dann gibt es Kollegen, wenn also die Gewitterwarnung und die EDV-Meldung an einem Tag gesendet werden, die machen vor dem Nachhausegehen die Fenster zu.
Auf ihrem Rechner.
Nach welchen Kriterien wird eigentlich Humor bewertet? Und was zeichnet einen humorvollen Menschen aus? Gibt es ein Humorzentrum? Und was sind Menschen, von denen man sagt, sie haben keinen Humor?
An so einem Tag wie heute gehen die bayerischen Grillrippchen mit Sauerkraut und Kartoffelklößen in der Kantine nicht ganz so gut.
An 360 Tagen im Jahr liegen in meinem Büro Klamotten, die ich morgens anzog, weils kalt war und die ich abends daließ, weils über Tag warm geworden war.
Jacken, Blazer, Pullover, Regenjacken, Outdoorjacken, Winterjacken, Sommerjacken, T-Shirts, Sportzeuch. Alles hat. Natürlich aus der begehrten A-Kollektion. Also die guten Sachen, die Lieblingsteile, die sich auch zuhause gut machen und darüber hinaus sehr kleidsam sind. Oder zum Wechseln dienen, wenns doch morgens mal doll gepladdert hat.
So, und weil sich da so viel angesammelt hatte, habe ich den ganzen Kram kürzlich schön mit nach Hause geschleppt. Alles natürlich. Keine Kompromisse im Unterholz.
Was heute zur Folge hatte, dass ich mich des Morgens leicht bekleidet in der Somerschwüle aufs Rad geschwungen habe, ohne an ein Regenjäckchen auch nur zu denken. (Oder an eine Omma-Plastikhaube zum Umbinden – wenigstens für den Kopf…).
Hätte ich das besser mal getan.
Dann sähe ich jetzt nicht aus wie Lockowa Pudelowski-Straßenköt.
Es war einmal eine kleine Meise.
Die nistete sich still und fein
und auch ein wenig leise
in des Unterholzens Vogelstübchen ein.
.
Und so erleben wir hier manches Mal
die Sinnfreiheit im Überfluss,
politisch leider etwas fahl,
macht nix – das Unterholz, das liebt den Stuss.
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