Archiv für 22. März 2008

Im Internat

Ja, es stimmt. Ich habe mal ein Internat besucht. Wahrscheinlich, weil ich früher so kratzbürstig war. Daher haben mich meine Eltern möglichst weit nach Großbritannien vermittelt. Um mal eine Zeitlang Ruhe vor mir zu haben.

Dort jedoch war es alles andere als sittsam. In dieser Zeit habe ich mehr Bödsinn als in den Jahren davor zuhause veranstaltet. Weil die Briten ja auch so herrlich verrückt sind, ganz nach meinem Geschmack.

Ich war zum Beispiel daran beteiligt, dass des nachts heimlich der Schulswimmingpool geentert wurde. Das machte eine ziemlich komplizierte Operation erforderlich, nämlich den Not-Schlüssel hinter einer Glasscheibe hervorzuprokeln [und ihn anschließend wieder an Ort und Stelle zu befördern].

Ich war auch dabei, als sich ein paar Schüler mit verbotenen Zigaretten hinter den Rugbyfeldern niederließen. Unwissend zu dem Zeitpunkt, dass sie sich in gefährlicher Nähe zu des Headmasters Garten aufhielten.

Auch wurde ich Zeuge davon, dass englische Straßen videoüberwacht sind. Als nämlich 1995 die aufstrebenden RADIOHEAD unsere südenglische Kleinstadt mit einem Auftritt beehrten, wurde vergeblich versucht, eine schon beträchtlich alkoholisierte Mitkonzertgängerin in einer der zahlreichen Einfahrten zu verstecken und ohne sie zum Konzert zu gehen.

Unvergessen auch die diversen Wasser-, Kuchen- und Orangensaftschlachten in den Zimmern. Oder die bissigen Begegnungen mit den Dartmoor Killer Ponies. Oder der Goldfisch, den jemand beim Helston Flower Dance gewonnen hatte und der immerhin glatte 48 Stunden gelebt hat. Oder der im Kapellenklavier versteckte Cassettenrecorder mit der Pinky- und Perkymusik, die nach 5 Minuten der Reverendpredigt anlässlich der Verabschiedung der Abschlussklasse mehrfach einsetzte und für großes Gelächter sorgte.

Ich muss schon sagen, eine feine Zeit.

Am besten, Ihr schickt Eure Kinder auch dahin, dann machen sie zuhause nie wieder Dummheiten.

In der Parfümerie

Bei einer großen deutschen Duft- und Beautyproduktekette einzukaufen, wenn man mit dreckigen Wanderschuhen, ausgebleichter Jeans, Fleecejacke, Wachsjacke (aber nicht von Bar.bour) und einer selbst vom Unterholzbewohnermann nicht besonders verehrten Mütze bekleidet ist, macht Spaß.

Alle machen einem Platz, wahrscheinlich, weil sie denken, man hätte unter der Brücke genächtigt und wochenlang nicht geduscht. Die Etepeteteverkäuferinnen fragen nicht, ob sie helfen können, wahrscheinlich, weil sie denken, man hat ohnehin keine Ahnung.

Und ich, ich freue mich. Als ich endlich wieder raus darf. Ins Schneetreiben.

Wiederauferstehung

Ostern: Zeitpunkt der Wiederauferstehung. In diesem Jahr wohl eher die des Winters.

Oder warum habe ich mich gerade in der Stadt gefühlt, als wäre der 23. Dezember und alle Welt kauft Weihnachtsgeschenke ein?


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