Archiv für 17. Februar 2008

Besuch aus Pisa

Am Freitag hatte ich Besuch im Büro.

Das kommt eigentlich ständig vor, aber einen Vertreter dieser Zielgruppe hatte ich noch nicht.

Es fing damit an, dass im Flur vor unseren vier Büros, deren Türen fast alle offen stehen, Menschen auf einen Termin warteten. Sie unterhielten sich im Flüsterton, wahrscheinlich, um uns rackernde fleißige Angestellte nicht zu stören. Plötzlich ertönte ein kurzes Husten, anschließend eine glockenhelle Stimme:

„Vielleicht können die hier was gegen meinen Husten machen. Ist ja schließlich ein Hospital“

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und begann, meine Salbeibonbons aus der Schublade zu kramen. Jeden Tag eine gute Tat. Ist ja auch nicht schlecht, je früher ein Mensch eine Bindung zu etwas aufbaut desto besser. Sagt bestimmt auch jeder Marketingpapst. Also stehe ich auf und gehe zu der wartenden Familie und reiche dem älteren der beiden Kinder ein Bonbon. Dankend wird es angenommen, die Eltern verneigen sich fast und der kleine Bruder schaut gierig dem im Mund des älteren verschwindenden Bonbon hinterher. Dem kleinen biete ich lieber keins an, wahrscheinlich kann der Bonbons noch gar nicht vernünftig lutschen.

Ich gehe zurück ins Büro, lasse die Tür aber auf und lausche. Mutti wird zum Vorstellungsgespräch gebeten, Vatti bleibt mit den beiden Jungs zurück. Flüstern, rascheln, leises Trippeln auf dem Flur. Dann stehen auf einmal zwei sich an den Händen haltende Brüder vor meinem Schreibtisch und der ältere fragt nach einem weiteren Bonbon für seinen jüngeren Bruder. Ich frage den jüngeren:

„Wie heißt du denn?“

„Max“

„Und wie alt bist du, Max?“

„Drei“

Ich gebe ihm das Bonbon, der ältere bedankt sich artig für Max. Max läuft zurück zu Papa, der ältere bleibt da und fragt mich:

„Rate mal, wie alt ich bin“.

„Hm. Sieben?“

„Nee“

„Acht?“

„Nee“

„Neun.“ (Er stand gebückt, ich konnte ihn nicht im ganzen sehen, sonst hätte ich micht nicht derart verschätzt)

„Ja. Ich hab heute schulfrei. Und nächstes Jahr soll ich hier aufs Gymnasium gehen. Rate mal wie ich heiße“

„Moritz?“

„Nee, ich heiße Jasper“

„Oh, Jasper ist aber auch ein schöner Name“

Im Folgende frage ich Jasper ein wenig aus, er erzählt mir, dass er in einer großen, entfernt liegenden Stadt wohnt, aber die Familie im Sommer herziehen möchte und dass er sich ganz toll mit Computern auskennt, weil sein Papa viel damit zu tun hat. Er stellt mir einen neuen Bildschirmhintergrund ein und zählt die Telefone in meinem Raum. Zwischendurch kommt immer wieder Vatti rein, der höflich zu signalisieren gibt, dass wenn Jasper mir auf die Nerven geht, ich ihn ganz schnell vor die Tür setzen soll.

Tue ich aber nicht, Jasper fragt, ob er sich einen Stuhl holen darf, was ich ihm bei soviel Manieren direkt erlaube, setzt sich neben mich und korrigiert meine E-Mails auf Rechtschreibung und korrekte Zeichensetzung. Er haut kein Mal daneben.

Dann wählt er für mich Telefonnummern, die ich ihm diktiere und während ich telefoniere, ist er mucksmäuschenstill.

Dann schnappt er sich meinen Taschenrechner und zieht Wurzeln aus Phantasiezahlen.

Zwischendurch bedient er sich großzügig an der Bonbonpackung, aber wer viel arbeitet, darf sich auch ordentlich belohnen.

Nachdem wir viel über Windows XP gefachsimpelt, drei E-Mails geschrieben, vier Telefonate und zehn Botengänge zur Kollegin im Büro gegenüber getätigt hatten (die Botengänge hat zum größten Teil Max übernommen), war Mutti fertig mit dem Vorstellungsgespräch.

Wir schnacken noch kurz, ich empfehle der Familie das beste Gymnasium am Ort und bin sicher, dass  Jasper easily seinen Weg machen wird.

Was für eine schöne Freitagsabwechselung.

Wäscheduft

Draußen ist es klar und richtig schön kalt. Dazu hat den ganzen Tag die Sonne geschienen. Die Wäsche trocknet auf dem Balkon. Kein Lüftchen weht.
Was das Problem ist, denn die ganze Region riecht doll nach Gülle. Sehr doll.

Retro

Ja, Frau Ninifee hat es hier erwähnt und auch ich erinnere mich gerne an diese Zeit: Sieben Brillenschlangen in Reihe drei von Hörsaal acht. Das ist schon wahnsinnige sechs Jahre her und wir hatten sehr, sehr viel Spaß.

Neben den bereits erwähnten Osen (Salmonellose, Yersiniose, Herbstzeitlose – um nur ein paar zu nennen) fällt mir spontan das Berliner Original Fräulein Doris ein, deren Künste an der Heimorgel wir sogar vor Ort bewundern durften. Die uns aber auch mit einer elenden Gruppenarbeit quälte, während der zumindest ich den Glauben an Excel verlor. Aber wenn man über ein Zertifikat verfügt, das einem den korrekten Parallelschwung beim Skifahren bescheinigt, dann ist ohnehin der Rest egal.

Es sei auch noch die famose Roxen-Gruppenarbeit erwähnt: Frau Belle, Frau Schnicker und meine Wenigkeit gehen in die Offensive und bekehren die künftige Elite zum schwarzen Humor.

Meine persönlichee Highlights aus dieser Zeit sind aber auch in der Tat die vielen Besuche bei Eddy und in der Vollkornbäckerei, an der Mensakasse zu stehen („Und fünf“) und sein Tablett aus dem Orkus kommen zu sehen, in der Cafeteria den immer gleichen Salat zu essen, mit den G7 auf der Wiese rumzulümmeln oder diverse Abendveranstaltungen zu gestalten. Also das ganz famose, normale Studentendasein.

Geschützt: Bhrantsch

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faszinierend

Nur mal eben schnell den Rechner anschalten. Nur ganz kurz Mails gucken. Schnell noch mal gerade eben bei WordPress reingeschaut. Bisschen Lesen und den einen oder anderen Kommentar schreiben. Grinsen und sich freuen. Weiterlesen, Statistik gucken, hierhin, dahin.

Bis das Kochwasser für die Frühstückseier gänzlich verdampft, der Toast kalt und die Milch warm ist.


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