Ihr alle da draußen, habt ein feines Restjahr, genießt die Ruhe und kommt gut in 2010.
Ihr alle da draußen, habt ein feines Restjahr, genießt die Ruhe und kommt gut in 2010.
Die liebste Freundin und ich sitzen lecker im Szenecafe unseres Wohnviertels. Wir schnacken und freuen uns über ein Heißgetränk angesichts der draußen herrschenden Kälte.
Am Nebentisch sitzen zwei, für unser Wohnviertel typische Altachtundsechziger in Hippiekluft – eine in bunten Samtstoff gehüllte Dame mit roter Hornbrille und ein langhaariger Kerl. Die beiden sind Uschi Obermaier und Rainer Langhans nicht unähnlich.
Aber, wie gesagt, solche sind hier nix Außergewöhnliches. Das Wohnviertel lebt davon.
Wir sitzen also so da, als Uschi Obermaier sich uns zuwendet und fragt:
Sie so: Sacht ma, Ihr habt doch Ahnung, oder?
Wir so: Öh, kommt drauf an.
Sie so: Ja, hier, von Handys und so. Wisst ihr, wie das geht, dass man sehen kann, wieviel auf dem Handy noch drauf ist? Ist das Stern100Raute oder ist das Raute100Stern?
Wir so: Öhhh, also untenlinks, dann 100, dann untenrechts.
Sie so: Ahhh, suuuper, dann habt ihr uns schon toll geholfen. (Dreht sich wieder Rainer Langhans zu).
Wir schnacken eine Runde weiter, aber keine zwei Minuten später wendet sie sich wieder um:
Sie so: Ey, kann ich Euch nochmal stören?
Wir so: Joa, klar.
Sie so: Wisst Ihr, wie das geht, dass man sehen kann, wieviel ein Gespräch gekostet hat?
Wir so: Klar, vorher gucken, wieviel Guthaben noch drauf ist, dann telefonieren, und dann nochmal gucken. Rechnen nicht vergessen. Differenz.
Sie so: Ahhh, super, tolle Idee, das mache ich mal.
Keine Minute später klingelt Rainer Langhans` Handy. Die beiden telefonieren ein paar Sekunden miteinander, dann wird aufgelegt und aufgeregt die Differenz bestimmt. Uschi kommt auf 90 Cent.
Wir so: Ey, habt Ihr grad echt miteinander telefoniert? Ihr seid ja cool.
Sie so: Joa (lächelt verschmitzt), aber das sind 90 Cent, kann das denn sein?
Wir so: Öhh, kommt auf die Karte an. Kann schon sein, kommt uns aber auch viel vor.
Sie so: Na, dann probiere ichs nochmal.
Rainer Langhans` Telefon vibriert diesmal nur, er hat es anscheinend fix auf lautlos gestellt, der alte Technikfuchs. Sie telefonieren wieder miteinander, anschließend werden wieder aufgeregt die Gesprächskosten ermittelt. Und siehe da: Es sind 9 Cent. Na ein Glück. Das Wochenende scheint gerettet.
Warum der pfiffige Rainer Langhans ihr diese grundlegenden Informationen zu Grundrechenarten und Telefonbedienung vorenthalten hat, bleibt uns allerdings ein Rätsel.
Manchmal rege ich mich beim Bloglesen auf. Manchmal sogar sehr. Dann juckt es mich in den Fingern, einen passenden Kommentar zu hinterlassen.
Und ich tus dann doch nicht. Weil ich diejenigen ja gar nicht kenne. Oder mich um Wichtigeres kümmern sollte. Und es mir eigentlich ja auch egal sein sollte.
Aber ein bisschen Ärgerenergie bleibt.
Ein namhafter Hersteller von Wegwerfwindeln, ich würde mal sagen, der Marktführer auf diesem Gebiet, hatte wohl einst eine tolle Idee, nämlich, das Produkt neben der nackten Funktionalität, die zweifelsfrei faszinierend ist, auch noch zu gestalten. Wahrscheinlich, um Eltern glücklicher zu machen, wenn bunte Applikationen drauf sind. Dann steigt bei sinkendem Geruch wenigstens die Laune und es herrscht rundherum heititei am Wickeltisch.
Wahrscheinlich haben ArtDirectors der größten Agenturen über der Aufmachung sogar monatelang gebrütet, dass man gar eine famos fröhlich anmutende optische Abwechselung geboten bekommt. Quasi eine pokemonähnliche Fortsetzungsbildergeschichte. Und das Beste: Mit wachsenen Größen wächst auch die Figurfamilie und mehr Protagonisten tauchen auf. Wahnsinn. Funky.
Aber ich glaube, denen hat noch nie jemand deutlich gesagt, wie pottenhässlich diese Abbildungen sind. Allesamt. Gut, dass alles zuverlässig und zeitnah hier landet.
Für alle Montagisteinarschlochleidenden. (Allein der Bulli am Anfang. Hach.)
Sie Arme. Morgens früh um sechs ist aber auch ne Scheißzeit. Hörnse aber ma. Falls Sie das hier noch nicht kennen: Viel Spaß dabei. Das war meine mit Abstand dämlichste Situation so far.
Und morgen früh um sechs denke ich an Sie.
Herzlichst,
Ihre Claire Grube
Auf der Stadtautobahn gibst seit neuestem zwei Blitzer. Das ist auch mal gut so, denn da wurde schon immer fleißig geheizt.
Will man man etwas außer der Reihe erleben, fährt man am besten dahin. Immer von Nord nach Süd und dann wieder von Süd nach Nord. Die Stadtautobahn ist nämlich nicht so lang. Und bereits nach kurzer Zeit kann man sie sehen: Die Nichteinheimischen, die von der Existenz der unscheinbaren Kästen noch nichts wissen. Kloppen mit ihren Stadtpanzern heran und schwupp, schnappt die Falle zu, es blitzt rot und, viel zu spät, wird dann doch noch gebremst.
Das ist ja an sich schonmal eine wahre Freude.
Lustig ist aber auch, dass alle anderen Autos in Sichtweite, die mit korrekter Geschwindigkeit unterwegs sind, beim roten Blitz selbst noch mal reflexartig die Bremsrücklichter aufblinken lassen. Aus Solidartät oder auch Schadenfreunde. Oder schier aus Angst. Man weiss es nicht.
Alte Damen haben Kackneurosen und müssen sich immer in fremde Kinderwagen beugen.
Weihnachtsmarkt und Wurstbuden gehören im Unterholz zu einer erfolgreichen Adventszeit. Daher wird oftmals der Markt aufgesucht – gerne auch bereits um die Mittagszeit für ein kleines Bratwürstchen.
So auch heute. Und da stehe ich an der Bude, weil so eine Wurst auf der fragilen Pappunterlage (die mit dem unpraktischen Antiverbrennungswursthaltestreifen) isst man ja am besten an Ort und Stelle.
Ich stehe da also und lausche dem Wurstbudenbeitzer, einem übergewichtigen Mittfünfziger mit den charakteristischen roten Äderchen im Gesicht. Er redet mit einem Stammkunden:
Hömma, der Erwin, der kommt dies Jahr nich. Den hats komplett umgehauen. Der hatte ja schon lange sonne Darmentzündung. Weisste, mit Durchfall und so. Der konnte gar nicht mehr raus, am Ende. Ja, und dann hamse…bla….blubb…OP….Krebs…künstlicher Ausgang…schlimm…Reha in Bad Salzdetfurth…jetzt wieder OP….Krankenhaus…Eiter…Hu.
So, da war dann auch mein Würstchen alle, ich muss sagen, es hat mir mal wieder vortrefflich geschmeckt.
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